Skizzen: Brutto Blox Ball

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Skizzenblock

1986, Student an der staatlichen Fachhochschule für Sozialarbeit in Köln, wohnhaft Hinterhofgebäude am Friesenplatz, nie Geld in der Tasche – aber es war schön. Vor allem wurde es finanziell besser als ich Scribbleaufkäufer kontaktieren und für meine Arbeiten interessieren konnte – nur – ich hatte gar keine Scribbles und kaum Zeit dafür. Der Besuchstermin rückte näher und wenn mich der Scribbleeinkäufer, seinen Namen habe ich vergessen, nicht zwei Tage vorher nochmal angerufen hätte, hätte ich diesen Erstkontakt wohl versemmelt.

Scribbles sind vectorgrafisch ausgeführte Entwürfe, die hauptsächlich für die Kleiderindustrie und allgemein für den Stoffdruck hergestellt wurden. In einem manuellen Prozess wurde von jeder Farbe des Entwurfs eine Schwarzkopie auf Folie gezeichnet. Optimal, wenn es einfach durchgepaust werden konnte, sonst musste der Entwurf vergrößert, verkleinert, gerundet, oder sonstwie per Freihand auf Folie übertragen werden. Mit einer lichtempfindlichen Emulsion wurde ein Sieb pro Farbe beschichtet und mittels der angefertigten Schwarzfilme, also das, was man auf Folie mit einer schwarzen lichtundurchlässigen Farbe aufgebracht hatte, belichtet, so dass die unbelichteten Bereiche. die ja durch die schwarze Farbe auf der Folie nicht belichtet werden konnten, wasserlöslich blieben, die belichteten jedoch wasserfest wurden (nach dem Entwicklerbad). Danach konnten die wasserlöslichen Bereiche ausgewaschen werden. So wurden hauptsächlich Freizeitmoden, vor allem T-shirts bedruckt.

Also, alle Partys und Sessions abgesagt, die letzten 15 DM in Bier investiert, mich eingeschlossen und losgelegt, 40 Stunden durchgearbeitet. Ich hätte länger gekonnt, aber das Bier ging mir aus. Dann kam der Scribbleverkäufer in mein ca 5×6m großes Atelierappartement mit Kochnische und einem 4×2,50m Schlafzimmer, Toilette und Kaltdusche waren im Treppenhaus, eine halbe Treppe tiefer. Als ich hier eingezogen bin, hätte ich nie gedacht, dass ich die Kaltdusche jemals benutzen werde, aber nach wenigen Wochen mit ermüdenden und Geld kostenden Besuchen im Hallenbad, ein mindestens 3 Stunden Unterfangen, pegelte sich der Kaltduschgang in mein Leben ein. Ich zeigte dem Mann meine 12 ausgeführten Entwürfe und er entschied sich lächelnd für 3. Wie bitte, dachte ich, wieso nicht 12, aber ich kam gar nicht dazu irgendetwas zu sagen, er redete pausenlos, zückte dabei seine Brieftasche, bat mich, mir ein Genre zuzulegen, Landschaften, Sport, Tiere, Sprüche – in dieser Art und zählte dann 10 × 100 DM Scheine ab. Okay, ich sagte nichts. Wir hatten vereinbart „zu den üblichen Konditionen“. Ich dachte dabei an die üblichen Studentenvergütungen, in der Regel 10 DM/Std, manchmal waren es 12 DM, selten mal 15 DM, wenn man zur ASTA Studentenjobvermittlung ging. Aber das waren 25 DM pro Stunde – das machte mich extrem happy. Eine Unterschrift unter ziemlich viel Kleingedrucktes und schon war der Mann wieder durch die Tür, nächster Termin in 14 Tagen.

So brach das Scribblefieber nicht nur bei mir aus, auch die Südstadtkünstler im Stollwerk/Rhenania, im sogenannten „Eisland“, scribbelten sich durch den Tag. Bei Bruno Wolkener erwarb ich diesen kleinen DIN A4 Block und die ziemlich neu im Kunstmarkt angebotenen Aquarellbuntstifte, zog damit von einem Cafe ins nächste, trank Cafe, ass Salate – jetzt konnte ich es mir ja leisten – und zeichnete und entwarf und arbeitete an meinem Genre.

Ich versuchte einen comichaften Style, aber meine „Aussagen“ waren den Einkäufern einfach zu trashisch. Ich landete mit Landschaften aus der Vogelperspektive und mit angesagten Sportarten wie zum Beispiel Scateboards. Leider finde ich meine nicht verkauften Entwürfe nicht mehr, sie sind wohl bei irgendeinem Umzug auf der Strecke geblieben. Dieser Block scheint das einzige Überbleibsel zu sein aus dieser Zeit, die übrigens nur wenige Monate andauerte. Ich kam einfach etwas zu spät in diesen Markt.

Meine Idee war es Sccribleentwürfe zu schaffen mit comic-haften Botschaften, die sich gegenseitig ergänzen können, so dass 2 T-Shirts mit 2 verschiedenen Aufdrucken eine verstärkende, oder sogar veränderte Botschaft geben, als nur ein einzelnes T-Shirt. Der Block von Bruno Wolkener aus der Ehrenstrasse und ein Brainstorming in Aquarellstift war der allererste Anfang dieser Idee und entstand rund um den Friesenplatz an nur einem Tag. Weitere Ausarbeitungen dazu stießen auf Interesse, aber wurden nie gekauft.

Schön ist noch zu erwähnen, dass es ein ganz besonderes Gefühl ist, die Boutiquen am Ring und Ehrenstrasse zu passieren und dort Kleider in den Schaufenstern zu sehen, die mit meinen Scribbles bedruckt waren.





Print: Uta im Netz

Datum

Vectorgrafiertes Videoframe aus einer Performance

Print einer vectorgrafisch aufgearbeiteten Performanceszene
Uta im Netz, Köln 1996, Acryldruck auf Leinwand, ca 129cmx129cm

Info





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Foto: Elefantenboard 1

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Projektionsfoto aus der Performance Elefantenboard

Foto aus der Performance 'Elefantenboard'
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