Bild: midlife

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Leinwandbild

midlife, Leinwandbild
midlife, Mischtechnik auf Leinwand, 120cm x 40cm, Köln 2006

Mit 46 Jahren fühlte ich mich erstmals in der Mitte meines Lebens, das Alt werden begann. Mein linkes Knie schmerzte mich, eine, wenn auch leichte, Steifigkeit überkam mich, wenn ich zu lange in einer unentspannten Körperhaltung verweilte, mein Junge war ein junger Mann geworden, Schulabschluss und wie soll es weitergehen, und was war eigentlich aus meinen Träumen geworden?

Der Knuddelklotz entstand.

Er war nicht etwa Ausdruck eines negativen Resumees, denn es fühlte sich eher so an wie wenn ich Finanzamtunterlagen aussortierte, die älter als 10 Jahre waren. Abgeschlossen.

Die gemeinschaftliche Kunstausstellung ‚Kunst auf Paletten‘ kam mir gerade recht. Ich tränkte große Bögen Rohkarton in Epoxydharz, zog einen Einmal-Ganzkörper-Overall aus dem Baumarkt an und warf mich hinein, quetschte, faltete, rollte darüber hinweg, band das Resultat mit Bindfaden und wartete bis es ausgehärtet war. Dazu besorgte ich mir kleine Einmalpaletten, die ich so weiß wie es nur ging anpinselte und deren Oberfläche ich spiegelglatt zuschliff.

Bevor ich diese Action umsetzte machte ich natürlich Zeichnungen, dieses Bild inklusive spiegelverkehrtem Rechtschreibfehler, den ich aber nicht korregieren wollte, sondern dem spontanen Midlifeerlebnis zusprach – er ist nie jemandem aufgefallen – ich machte auch kleine Modelle davon. 4 Jahre später nahm ich das Thema noch mal auf für den Livingroom und performte die Knuddelklotzperformance.

Das Bild zeigt, vectorgrafisch nachempfunden, eine Dreiersequenz von Bildern, die Bilderfolgen und Kamera-in Filme symbolisierend, das dargestellte zerknüllte Papier sind meine verlebten Ereignisfelder und die endlich abgeschlossen waren – dachte ich. In Wirklichkeit wurde das Ende meines bisherigen Wirkschaffens von mir erst 4 Jahre später durch die eben genannte Knuddelklotzperformance in einer Art Ritual abgehakt. Aber wir wollen mal nicht kleinlich sein, wie alles ist doch auch die Midlife-Sequenz kein abrupter act, sondern wohl eher eine Phase, ein zeitlich diffus begrenzter Lebensabschnitt, der zum Ende hin in jedem Fall eine Veränderung einläutet, vielleicht sogar eine dem Alter und der geistigen Entwicklung angepasste Verbesserung mit sich bringt. Die Aufgabe, der man eigentlich intuitiv folgt, ist es, das Gute zu bewahren und den Rest der Vergessenheit zu überlassen.


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