Kinderblätter "Boots on Ground"
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Kreativität braucht nicht erzeugt werden, sie ist immer da.
Auf dieser Seite möchte ich Ihnen eine Art der kreativen Projektarbeit mit traumatisierten Kindern vorstellen. Es bedarf einiger Arbeit, Kinder – selbst solche, die noch gar nicht eingeschult wurden – wieder mit ihrer natürlichen Kreativität zu verbinden. Andernfalls „ernten“ wir vor allem Kopffüßler, das Haus vom Nikolaus, Sonne, Mond und Sterne, Blumen, Herzen und anderes gehirngewaschenes Zeugs.
In den älteren Jahrgängen kommen gerne noch Flaggen hinzu, bei den Jungs Kriegsgerät – irgendwelche Waffen –, während Mädchen ihre Herzen bevorzugt mit Blumen kombinieren. Ansonsten malen alle gerne ordentlich vorgegebene, klar umrissene Zeichnungen aus.
Es ist wichtig, die Kinder dort abzuholen, wo sie gerade stehen. Den „Ausmalphasen-Hype“ wollen wir ihnen keineswegs nehmen. Vielmehr geht es darum, Raum für eine freizügigere Kreativität zu schaffen. Deshalb empfiehlt es sich auch nicht, mit anspruchsvolleren Kreativangeboten gegen die geistig eher unanstrengende Ausmalleidenschaft anzutreten, sondern einen fließenden Übergang zu schaffen.
Boots on Ground, aufbereitetes Auarell zu einem Giclée-Print, alle Größen bis 60 cm x 84 cm, DIN A1, Zülpich 2023
Junge, 5 Jahre alt, Kriegsflüchtling aus Somalia, keine deutschen Sprachkenntnisse. Seine Bilder bestanden zunächst hauptsächlich aus Klecksen und Schmierereien. Kreative Unterstützung kam vor allem von dem Waldkindergarten, ein Kindergartenkonzept, bestehend aus einem Bauwagen im Wald und einer Feuerstelle, von 8:00 - 13:00 nur draußen - auch im Winter. In weniger als fünf Monaten hatte er bereits ausreichende Deutschkenntnisse erworben, um sich verständigen zu können und seine Malerei gewann deutlichere Formen, die Kleckse bekamen Beine, er erzählte von toten Tieren.

Die Bilder wurden voller, deutlich abgestuft in Vorder-, Mittel- und Hintergrund und zeigen dynamische Landschaften in denen sich Ereignisse zutragen. Diesem Konzept folgend schaffte ich eine Verbindung zwischen meiner Art Projektormalerei mit Aquarellfarben und einer unbedarften erzählerischen Malstruktur für eine dynamische Landschaft, in der sich überall etwas ereignet. Mit der für das Alter typischen Bodenbegrenzung durch den unteren Blattrand konnte ich mich allerdings nicht anfreunden und konnte es auch nicht lassen etwas Perspektive hinein zu bringen. Gerne würde ich Ihnen hier die Komposition des Jungen zeigen. Im Vordergrund stand damals eine kreativpädagogische Zielsetzung, von der ich Ihnen, Jahre später, erzählen möchte. Deshalb besitze ich keine schriftliche Zustimmung zur Veröffentlichung und es ist mir auch nicht mehr möglich diese einzuholen.
Natürlich finden Kinder oft nicht den passenden Strich, die geeignetste Farbe, eine Unvollkommenheit der Darstellung eines Objektes. Es ist die allererste Aufgabe, das Kind von Richtig und Falsch zu erlösen, ihm Mut zu machen, ein Objekt nachzuempfinden, und es ruhig dort zu belassen, wo es nicht mehr weiterweiß. "Nicht weiter wissen" ist normal, jeder kommt immer an diese Grenze und es geht darum, wie damit umzugehen ist. Es ist ein besonders wertschätzendes Kompliment, die Komposition des Kindes zu besprechen und gleichzeitig eine eigene zu entwerfen. Allerdings werden Sie umsonst darauf hoffen können, dass das Kind Ihren Entwurf loben wird. So erging es mir jedenfalls durchgehend in diesem Projekt. Beachten Sie dabei aber unbedingt, dass sich keine Wettkampfsituation daraus entwickelt. Bestaunen Sie den Bildaufbau: Statt der häufig anzutreffenden Aufteilung von einem Drittel zu zwei Dritteln ist das Bild hier ziemlich genau mittig in Himmel und Erde geteilt. Übernehmen Sie es in Ihren Entwurf. Dem Kind wird seine eher spontan gemachte Bildaufteilung als bedeutend gespiegelt und fortan kann es diese Kompositionsentscheidung künftig bewusst treffen.
Er wollte sein Bild unbedingt amerikanisch betiteln. Diesen Wunsch habe ich aufgegriffen und mein Bild ähnlich mit "Boots on Ground" genannt.







