Tofu Herstellung
Datum
aus welchen Früchten/Erbsen/Bohnen außer Soja kann man Tofu
herstellen?
Tofu lässt sich grundsätzlich aus anderen pflanzlichen Milchquellen
herstellen, wenn diese ausreichend Protein und/oder Stärke enthalten,
damit sie gerinnen und zu einer festen Masse gepresst werden können.
Praktisch gebräuchliche oder experimentell genutzte Alternativen zu
Sojabohnen:
- Lupinen (Lupinen‑Tofu / „LupinentoFu“) — hoher Proteingehalt,
ähnliches Verhalten wie Soja. - Kichererbsen — ergibt „Kichererbsen‑Tofu“ (auch „Burmese tofu“/„Shan
tofu“), oft mit Zitronensaft oder Nigari geronnen. - Erbsen (gelbe Spalterbsen) — Erbsenprotein‑Tofu möglich; wird in
Industrie als Erbsen‑Tofu oder Erbsenquark verwendet. - Bohnen (z. B. schwarze Bohnen, weiße Bohnen) — prinzipiell möglich,
je nach Protein/Bindeeigenschaft. - Lupinenkerne, Ackerbohnen (Vicia faba / Saubohnen / Favabohnen) —
werden regional genutzt. - Hanf (Hanfmilch) — experimentell, weniger gängig wegen Fettprofil;
gerinnt schwieriger. - Mandeln, Cashew, andere Nussmilch — ergeben eher
„Nuss‑Tofu“/pflanzlichen Käse‑ähnlichen Quark; weniger Proteingehalt,
eher cremig als fest. - Reis, Hafer — liefern meist zu wenig Protein; mit Zusatzstoffen oder
Verdickern (z. B. Verdickungsmittel, Proteinkonzentrate) lässt sich eine
tofuähnliche Masse herstellen.
Hinweise zur Herstellung und Gelierung:
- Notwendig sind eine Milch (Püree aus Einweich‑Kochen–Filtern) mit
genügend löslichem Protein/Stärke und ein Gerinnungsmittel (z. B.
Nigari/MgCl2, Zitronensaft/Essig, Calciumsulfat/ Gips,
Zitronensäure). - Ergebnis (Textur, Geschmack, Festigkeit) variiert stark je nach
Ausgangspflanze, Verarbeitungszeit, Konzentration und
Gerinnungsmittel. - Kichererbsen‑tofu und Lupinentofu sind die praktischsten, weil sie
von Haus aus genügend Protein liefern und oft gute Festigkeit
erreichen.
Der sibierische Erbsenstrauch
Mit ca 30% Protein ist der sibirische Erbsenstrauch (Caragana
arborescens) prinzipiell geeignet, um eine tofuähnliche Masse
herzustellen. Wichtige Punkte:
- Proteingehalt: ≥~20–25% lösliches, gerinnbares Protein in der
Pflanzenmilch ist förderlich; 30% Rohprotein ist ein gutes
Ausgangssignal. - Bitterstoffe / Toxine: Caragana-Arten können sekundäre
Pflanzenstoffe (z. B. Bitterstoffe, Alkaloide oder andere Verbindungen)
enthalten. Diese müssen durch geeignete Aufbereitung (einweichen,
Kochen, mehrmaliges Wasserwechseln, ggf. Fermentation) reduziert werden,
bevor man die Milch konsumiert. Ohne Desaktivierung könnte Geschmack
oder Verträglichkeit leiden. - Aufbereitung: Samen/Schoten gut einweichen, länger kochen und die
Milch filtrieren wie bei Sojabohnen; gegebenenfalls entfetten / Schalen
entfernen, um unangenehme Aromen zu minimieren. - Gerinnung: Dieselben Gerinnungsmittel wie bei Soja (Nigari/MgCl2,
Calciumsulfat, Zitronensaft/Essig) funktionieren wahrscheinlich;
Konzentrationen und Temperatur müssen experimentell angepasst
werden. - Textur & Ausbeute: Erwartet variierende Textur (fester/weicher),
abhängig vom Anteil löslicher Proteine und Stärke; Ausbeute lässt sich
nur durch Versuch ermitteln. - Sicherheit: Vor größerem Verzehr empfehle ich, Quellen zur essbaren
Nutzung von Caragana arborescens zu prüfen oder kleine Mengen zu testen;
bei Unsicherheit ein Lebensmittelchemiker/Toxikologe oder lokale
Fachquelle konsultieren.
Kurz: technisch machbar, aber auf mögliche Bitter- oder toxische
Verbindungen achten und die Aufbereitung/Kochen anpassen; erst in
kleinen Mengen testen.
Ein praxisorientiertes, schritt‑weises Verfahren,
…um aus
Ackerbohnen (Vicia faba) bzw. ähnlichen proteinreichen Hülsenfrüchten
eine tofuähnliche Masse herzustellen.
(Einweichen, Kochen, Milchgewinnung, Gerinnung mit Nigari oder
Calciumsulfat). Mengen für ~1 kg Bohnen → ca. 2–2,5 kg fertigen
Tofu-Ansatz (variabel).
Zutaten (ca. Maße für 1 Versuch)
- 500 g getrocknete Ackerbohnen (alternativ gelbe Erbsen/Lupinen)
- Wasser zum Einweichen und Kochen (ausreichend)
- 1,5–2,0 L Wasser zum Pürieren (eher sparsam, für konzentrierte
„Milch“) - Gerinnungsmittel: Nigari (Magnesiumchlorid, 2–3 TL in 250 ml warmem
Wasser) oder Calciumsulfat (Gips, 8–12 g in 250 ml Wasser).
Zitronensaft/Essig möglich, aber Ergebnis anders. - Salz nach Geschmack (optional)
- Ein Tuch/Feinsieb, ein schweres Sieb/form zur Pressung, Presse oder
improvisierte Beschwerung
Vorbereitung
- Sichtung: Bohnen auf Steine/Verunreinigungen prüfen, ggf.
beschädigte entfernen. - Einweichen: Bohnen gründlich waschen, dann 12–18 Stunden in viel
Wasser einweichen (Wasser 3–4× Volumen). Bei Lupinen/Ackerbohnen hilft
längeres Einweichen, um Bitterstoffe zu verringern. Mehrmaliges
Wasserwechseln reduziert bittere/extraktive Stoffe. - Häuten/Schälen (optional, empfohlen): Bei Ackerbohnen kann das
Entfernen der dicken Außenhäute (Nach dem Einweichen aufbrechen /
zwischen Fingern reiben) bitteren Geschmack reduzieren und die
Filtration verbessern. Das ist aufwändig, aber die Textur wird dadurch
besser.
Herstellung der „Bohnenmilch“
4. Kochen: Abgetropfte Bohnen in
frischem Wasser weich kochen (mind. 45–90 Minuten, je nach Sorte) — bis
sie sehr weich sind und bitterer Geschmack abgeschwächt ist. Schaum
abschöpfen. Langes Kochen reduziert antinutritive Stoffe.
5. Pürieren: Heiße, gekochte Bohnen mit 1,5–2 L frischem Wasser in einem
Hochleistungsmixer pürieren, bis feines, homogenes Püree entsteht.
Weniger Wasser → festere Tofu‑Möglichkeit, aber schlechtere
Pump-/Filtrierbarkeit.
6. Filtrieren: Das Püree durch ein feinmaschiges Sieb oder ein Tuch
(Nussmilchbeutel) abseihen und die Flüssigkeit auffangen — das ist die
Bohnenmilch. Den Trester (Okara‑ähnlich) aufbewahren oder verwenden.
Wichtig: Gut auspressen, damit die Milch konzentriert ist — mehr
lösliche Proteine erhöhen Gerinnungserfolg.
Protein- & Geschmackskontrolle (optional, aber empfehlenswert) 7.
Konzentration prüfen: Die Milch sollte relativ dick sein. Wenn sehr
wässrig wirkt, kann man einen Teil des Tresters wieder einrühren und
erneut filtrieren oder die Milch vorsichtig einkochen, um zu
konzentrieren (Achtung: Hitze verändert Proteine). Ziel ist eine relativ
proteinreiche Milch, nicht nur wässriges Extrakt.
Gerinnen (Tofu bilden)
8. Erwärmen: Die Bohnenmilch auf ca. 75–85 °C
bringen (nicht kochen). Gleichmäßig rühren.
9. Gerinnungsmittel vorbereiten: Nigari: 2–3 TL Nigari in 200–300 ml
warmem Wasser auflösen. Gips: 8–12 g Calciumsulfat in 250 ml Wasser
lösen (vorab gut mischen, damit keine Klumpen). Für Zitronensaft/Essig:
ca. 2–4 EL Zitronensaft pro Liter Milch als Richtwert (variabel und
weniger zuverlässig).
10. Gerinnen einleiten: Hitze leicht reduzieren. Gerinnungsmittel
langsam in die Milch gießen, dabei sanft einmal umrühren (nicht
kräftig), dann stehen lassen. Beobachte 10–20 Minuten: Die Milch sollte
ausflocken/klumpen. Bei Ackerbohnen kann die Gerinnung
langsamer/unvollständig sein — Geduld: bis zu 30 Minuten. Wenn nach
20–30 Minuten kaum Gerinnung, leicht mehr Gerinnungsmittel (in kleine
Menge Wasser gelöst) zudosieren.
11. Ruhe & Trennen: Sobald sichtbare Bruchstücke („Quarkbruch“)
entstehen und eine klare, gelbliche Molke sichtbar wird, 10 Minuten
ruhen lassen, dann mit Schaumlöffel in die Form geben.
Pressen & Fertigstellen
12. Abfüllen: Tuch in eine Tofusform/Sieb
legen, die geronnene Masse vorsichtig hineinschöpfen. Die Molke ablaufen
lassen.
13. Pressen: Mit Tuch bedecken, mit einem passenden Deckel/Platte
abdecken und ein Gewicht auflegen (z. B. 1–3 kg) für 15–60 Minuten je
nach gewünschter Festigkeit. Längeres Pressen → festerer Tofu.
Zwischendurch Molke abgießen.
14. Entformen & Kühlen: Tofu aus der Form nehmen, in kaltem Wasser
kurz abspülen, dann in Frischwasser lagern oder sofort verwenden. Für
festen Tofu evtl. nochmals in kaltem Wasser abkühlen.
Tipps bei Problemen (für Ackerbohnen‑Spezifika)
- Keine oder schwache Gerinnung: Milch zu wässrig — mehr Konzentration
nötig; versuchen, Teil des Tresters wieder zuzugeben oder Milch etwas
einkochen. Alternativ die Temperatur erhöhen leicht (bis 90 °C) vor
Zugabe, dann auf 75–80 °C abkühlen und gerinnen. Andere Gerinnungsmittel
testen (Nigari vs. Gips vs. Säure). - Bitterkeit/Geschmack: Längeres Einweichen/mehrere Wasserwechsel,
gründliches Kochen, Entfernen der Außenhäute; Fermentation (leichte
Ansäuerung über 24–48 h) kann Geschmack verbessern. - Textur bröselig statt fest: Zu starke Säuregerinnung (Zitronensäure)
oder zu hoher Wasseranteil; Presszeit erhöhen und Milchkonzentration
prüfen. - Schlechte Filtration: Bohnenhäute entfernen oder feiner filtrieren;
verwenden eines Nussmilchbeutels oder Stoffs mit sehr feiner
Masche.
Sicherheits- und Geschmackshinweise
- Bei unbekannten Sorten/selten genutzten Hülsenfrüchten auf mögliche Toxine/Allergene prüfen; zunächst kleine Mengen probieren.
- Hygienisch arbeiten, um Verderb zu vermeiden.
Ackerbohne bekommt man in Bioqualität ohne Siegel auf Grund von
bodendeckender Bewachsung von stillgelegten Flächen (Kleinanzeigen.de). Allerdings sind
viele Bohnen durch einen Käfer, der sich über Winter hinein bohrt,
beschädigt. Der Bauer gibt an, dass dies die Frucht nicht beeinträchtigt.
Kurz: Der beschriebene Käfer ist sehr wahrscheinlich der
Ackerbohnen‑Samenkäfer / Mehlkäfer‑Bruchide (häufig Bruchus rufimanus bzw. Bruchus spp.).
Wichtige, belegte Punkte aus der Fachliteratur und
Praxis:
- Biologie: Weibchen legen Eier an junge Hülsen; geschlüpfte Larven bohren in die Samen und entwickeln sich dort. Erwachsene überwintern teils außerhalb, teils in Samen/Schoten; einige Käfer bleiben in gelagerten Samen und können später ausschwärmen.
- Sichtbare Schäden: Larven schaffen runde Austrittslöcher; Innenschäden (Fraßgänge, vermindertes Gewicht, fehlendes Endosperm) sind typisch.
- Auswirkungen auf Lebensmittelqualität: Löcher und Fraß reduzieren optische Qualität, Marktwert und Nährstoffgehalt; Samen mit >2 % Beschädigung werden in der Lebensmittelverarbeitung oft abgewiesen.
- Keimfähigkeit und Verwendung als Saatgut: Befall kann Keimfähigkeit und Saatgutqualität stark reduzieren; Pflanzenbau‑Studien zeigen deutliche Verminderung von Keimrate und Saatgutleistung bei stärkerem Befall.
- Sicherheit für Verzehr: Befall allein macht die Bohne nicht
zwangsläufig unsicher zum Essen — tote Larven/Bohrmehl sind eher ein
Qualitäts‑/Hygieneproblem als akute Toxizität. Allerdings:
- Befallene Samen sind anfälliger für Sekundärschädlinge und Pilzbefall während Lagerung.
- Fremdstoffe (Insektenreste, Fraßkanäle) verschlechtern Geschmack und Lagerstabilität.
- Lagerungsrisiko: Über Winter in Samen verbleibende adulte Käfer oder Puppen können in Lagerbeständen schlüpfen und dort weitere Schäden verursachen; trockene, kühle Lagerung und ggf. thermische oder mechanische Behandlung reduziert dieses Risiko.
- Qualitäts‑ und Marktstandards: In der Lebensmittelproduktion gelten strikte Grenzwerte für beschädigte Samen (z. B. ≈2 %), in Futtermittelmärkten oft höhere Grenzwerte.
- Bekämpfungs‑ und Handhabungsempfehlungen (Kurz): Saatgutprobe entkernen/sortieren, Beschädigte Bohnen aussortieren; Lagerung kühl und trocken; bei starkem Befall thermische Behandlung (z. B. Erhitzen) oder das Ausschleusen von befallenen Chargen; für Saatgutneuzucht befallene Samen nicht verwenden.







