Vergrößerte Taschenkunst


Kommentare Teilen Sie uns bitte Ihre Meinung mit

Taschenkunst, ein kreditkarten großes Format (86mmx54mm), zu vergrößern ist eine spannende und überraschende Aktion.

In dieser Arbeit mit 12 Exemplaren habe ich das Abbild der Taschenkunst mit seiner eigenen Projektion übereinandergelegt und das Ergebnis als Feinstdruck auf Alu Dibond fixiert. Alle 12 Arbeiten lassen sich hochkant wie auch horizontal, portrait and landscape, anschauen. Ein gutes Bild stimmt immer von jeder Seite, obwohl ich persönlich eine Richtung bevorzuge und das kann bei jedem dieser 12 Exemplare jedesmal anders sein. Deshalb signiere ich sie nur rückseitig.

Alu Dibond
Dabei handelt es sich um eine ca 3mm dicke Aluminiumschicht auf einem leichten, aber stabilen Kunststoffkern. Das Alu wurde vor dem Druck grundiert. Das eingesetzte Farbsystem ist für den Außenbereich entwickelt worden und extrem wetterfest.

Die Performanceidee zu dieser Arbeit hieß „Jetsam::Strandgut“ und zeigte Wesen und wunderliche Gegenstände, oder Fundstücke, eingebettet, bzw vor Hintergründen, die von Wasser geformt zu sein scheinen. Dazu sollte Wasser im Wasserglas gerührt und von einem Mikro abgenommen über Boxen den Vorführraum beschallen. Es funktionierte leider nicht, immer wieder gab es Rückkopplungen. So blieb diese Arbeit unaufgeführt.

Der Doppelpunkt im Namen, der das englische Wort vom deutschen trennt, ist einer Programmiersprache entlehnt, eine Ausdrucksform für den Aufruf eines anderen Softwarepacketes. Das passt nicht wirklich für meinen Doppelpunkt-Titel. Die Mehrsprachigkeit war für mich schon in den 90igern vorausschauend ein Basisbestandteil des handwerklich gut gemachten Internets. .bq. *Technik des letzten Jahrhunderts*Zuerst, noch in den 90igern, hatte ich nur die Möglichkeit über ein Zeissobjektiv einer analogen Fotokamera diese feinen Strukturen anzuschauen. Erst zur Jahrtausendwende bekam ich gebraucht einen alten, dafür aber jetzt bezahlbaren Profiscanner. Aber da war dann auch wieder Schluß, denn kostengünstig Feinstdrucke herzustellen war bis dato industriell nicht vorgesehen und Kunstdruck einfach nicht bezahlbar. Das hat sich nun mit den letzten Generationen von industriellen Tintenstrahldruckern geändert. Auch die Angabe von ICC Profilen ist heute selbstverständlich, früher wußten die Mitarbeiter in den „Industrie-Copyshops“ gar nicht was ich meine. Brauchen wir nicht, hieß es und als sie den Druck dann versaut hatten wurde mir dann noch die Schuld dafür in die Schuhe geschoben, weil ich eben kein Windows und auch kein Apple benutze, sondern ein Linux. Darauf waren die frühen Tintenstrahler aber nicht eingerichtet, bzw, wenn mitgeteilt worden wäre, auf welches Profil die Druckmaschine eingestellt ist, musste man eben in genau diesem Profil separieren, bei Linux geht so etwas nicht automatisch, was auch keinen Sinn machen würde. Die Industrie weiß schließlich, dass 90 % Windowsrechner laufen und stellte die Druckmaschinen schon auf Windowskompatibilität ein, so dass selbst ausgebildete Grafiker über Druckprofile nicht wirklich Bescheid wussten, weil sie es ja nie brauchten. Es gibt bei dieser Arbeit nichts tiefgründiges, noch wird eine Philosophie herangezerrt, oder irgendwas metapherhaftes untergeschoben, schon mal gar nichts aus der grieschichen Sagenwelt. Glaubt mir, gerade das ZeusZeugs ging mir damals und geht mir auch heute noch auf die Nerven. Ich bin mir darüber bewußt, dass meine Art zu empfinden und mich auszudrücken natürlich auch von der griechischen Philosophie geprägt ist, obwohl ich mich nie intensiv damit beschäftigt habe. Das platonische Höhlengleichnis ist ja gerade die Grundlage meiner gesamten Projektionsarbeit – und ich weiß das. Meine Aufmerksamkeit diesen kleinen, eigentlich unbedeutenden taschenkunstgroßen Folienschnipseln zu geben ist der eigentlich Kunstakt. Ich nehme den angespülten Rest eines nicht funktionierenden Versuchs in Obhut und verwahre ihn sicher in einer zugeschweisten Folientasche. Auch jetzt noch scheint keins dieser Taschenkunstformate eine besondere Aufmerksamkeit zu verdienen. Aber dann rollt die Promotionmaschinerie an, Fototermin, einscannen, einen Mehrinformationswert schaffen durch die Konzentration auf zwei wesentliche Aspekte, der Ablichtung und die Projektion zusammenbringen und schließlich das große Rauskommen als großes Bild. Schaut man nun umgekehrt von den großen Drucken auf ihre Wurzeln, die kleine zarte Taschenkunst von der sie abstammen, dann wirkt sie jetzt keines Falls mehr unscheinbar, eher filligran, ein glücklich gefundenes Schätzchen.

Sie, lieber Leser, wissen aber jetzt, dass es nie eine Situation geben muss in der Sie aus lauter Verzweiflung Kalenderblätter einrahmen, oder in Supermärkten Abklatschgrafikdrucke kaufen müssen. Sie können einfach eine Taschenkunst kaufen, sie kostet vom Hersteller immer 10 €, Sie können sie einscannen und mittlerweile einigermaßen unbesorgt in einem Industrie-Copyshop ausdrucken lassen. So tuen Sie gleich 2 Sachen auf einmal, Sie geben Ihrer Seele Nahrung und füttern nicht mehr die, die unsere Kultur, unsere Daten und unsere Seelen neoliberal verscherbeln. Und Sie haben etwas für Ihr Geld bekommen, einen Gegenwert, ein Orginal.

Autor
Kategorien ,

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentare

Geben Sie Ihren Kommentar hier ein. * Eingabe erforderlich. Sie müssen die Vorschau vor dem Absenden ansehen.





Kommentare

Keine Kommentare

Kommentare

Geben Sie Ihren Kommentar hier ein. * Eingabe erforderlich. Sie müssen die Vorschau vor dem Absenden ansehen.





Kommentare

Keine Kommentare

Kommentare

Geben Sie Ihren Kommentar hier ein. * Eingabe erforderlich. Sie müssen die Vorschau vor dem Absenden ansehen.





← Älter Neuer →