Skalierte Taschenkunst


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Taschenkunst aus Folienstücken einer eingetrockneten Performancefolie hoch zu skalieren hatte schon lange einen besonderen Reiz auf mich ausgeübt.

In dieser Arbeit mit 12 Exemplaren habe ich das Abbild der Taschenkunst mit seiner eigenen Projektion übereinandergelegt und das Ergebnis als Feinstdruck auf Alu Dibond fixiert. Alle 12 Arbeiten lassen sich hochkant wie auch horizontal, portrait and landscape, anschauen. Ein gutes Bild stimmt immer von jeder Seite, obwohl ich persönlich eine Richtung bevorzuge und das kann bei jedem dieser 12 Exemplare jedesmal anders sein. Deshalb signiere ich sie nur rückseitig.

Alu Dibond
Dabei handelt es sich um eine ca 3mm dicke Aluminiumschicht auf einem leichten, aber stabilen Kunststoffkern. Das Alu wurde vor dem Druck grundiert. Der Druck ist ausgesprochen gut gelungen. Das eingesetzte Farbsystem ist für den Außenbereich entwickelt worden, extrem wetterfest aber nicht ganz lichtecht. Der Sonne, bzw UV-Strahlung massiv ausgesetzt, wie etwa Straßenschilder im Sommer, läßt die gesamte Farbfläche um eine halbe Blende aufhellen. Das scheint nicht tragisch, ist aber nicht gewollt und eben nur den Feinstpartickeln der eingesetzten Farbe geschuldet. Es geht ein Tick Brillanz verloren, wenn es über Jahre in einem Raum der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Hinter einem UV-Schutzglas ist es dagegen absolut stabil und bleibt in seiner farblichen Brillanz.

Die Performanceidee dazu hieß “Jetsam::Strandgut” und zeigte Wesen und wunderliche Gegenstände, oder Fundstücke, eingebettet, bzw vor Hintergründen, die von Wasser geformt zu sein scheinen. Dazu sollte Wasser im Wasserglas gerührt und von einem Mikro abgenommen über Boxen den Vorführraum beschallen. Es funktionierte leider nicht, immer wieder gab es Rückkopplungen. Ich selber hatte keines dieser Geräte, Mischpult, Mikro und Boxen. Wenn solche Versuche ein paar mal nicht funktionierten, wollten die, die mir Technik zur Verfügung stellten, nicht mehr, aus der verständlichen Angst heraus, dass nachher etwas beeinträchtigt ist, oder sogar kaputt geht. So blieb diese Arbeit unaufgeführt. Einige Jahre später, als ich all diese Komponenten selbst hatte, war die Zeit einfach vorbei für so eine eher statische Performance. Die Farben waren dick, kräftig und modulierbar geworden und die Art meiner Performance hatte sich weg von gemalten Projektionsbildern hin zu bewegten Actionpaintings verändert.

Der Dppelpunkt im Namen, der das englische Wort vom deutschen trennt, war übrigens schon Ausdruck meiner großen Lust mich mit dem Internet zu beschäftigen. Ich lernte die Scriptsprache Perl und diese Doppelpunktgeschichte ist in dieser Scriptsprache die Syntax für einen Packetaufruf. Dem Namen einer Variablen oder einer Funktion wird der Name des Packages mit einem doppelten Doppelpunkt (::) vorangestellt. Das heißt also “die Funktion aus dem Package”
Das passt natürlich nicht für meine Doppelpunkt-Titel. Hier kam hinzu, dass die Mehrsprachigkeit für mich vorausschauend ein Basisbestandteil des Internets werden wird und irgendwie eine Syntax braucht und der doppelte Doppelpunkt sieht ja gut aus.

Technik des letzten Jahrhunderts
Zuerst, noch in den 90igern, hatte ich nur die Möglichkeit über ein Zeissobjektiv einer analogen Fotokamera diese feinen Strukturen anzuschauen. Erst zur
Jahrtausendwende bekam ich gebraucht einen alten, dafür aber jetzt bezahlbaren Profiscanner. Aber da war dann auch wieder Schluß, denn kostengünstig Feinstdrucke herzustellen war bis dato industriell nicht vorgesehen und Kunstdruck einfach nicht bezahlbar. Das hat sich nun mit den letzten Generationen von industriellen Tintenstrahldruckern geändert. Auch die Angabe von ICC Profilen ist heute selbstverständlich, früher wußten die Mitarbeiter in den “Industrie-Copyshops” gar nicht was ich meine. Brauchen wir nicht, hieß es und als sie den Druck dann versaut hatten wurde mir dann noch die Schuld dafür in die Schuhe geschoben, weil ich eben kein Windows und auch kein Apple benutze, sondern ein Linux Hacker bin. Darauf waren die frühen Tintenstrahler aber nicht eingerichtet, bzw, wenn mitgeteilt worden wäre, auf welches Profil die Druckmaschine eingestellt ist, mußte man eben in genau diesem Profil separieren, bei Linux geht so etwas nicht automatisch, was auch keinen Sinn machen würde. Die Industrie weiß schließlich, dass 90 % Windowsrechner laufen und stellte die Druckmaschinen schon auf Windowskompatibilität ein, so daß selbst ausgebildete Grafiker über Druckprofile nicht wirklich Bescheid wußten, weil sie es ja nie brauchten.

Es gibt bei dieser Arbeit nichts tiefgründiges, noch wird eine Philosophie herangezerrt, oder irgendwas metapherhaftes untergeschoben, schon mal gar nichts aus der grieschichen Sagenwelt. Glaubt mir, gerade das ZeusZeugs ging mir damals und geht mir auch heute noch auf die Nerven. Ich bin mir darüber bewußt, dass meine Art zu empfinden und mich auszudrücken natürlich auch von der griechischen Philosophie geprägt ist, obwohl ich mich nie intensiv damit beschäftigt habe. Das platonische Höhlengleichnis ist ja gerade die Grundlage meiner gesamten Projektionsarbeit – und ich weiß das.

Meine Aufmerksamkeit diesen kleinen, eigentlich unbedeutenden Folienschnipseln zu geben, das ist der eigentlich Kunstakt. Ich nehme den angespülten Rest eines nicht funktionierenden Versuchs in Obhut und verwahre ihn sicher in einer zugeschweisten Folientasche. Auch jetzt noch scheint keins dieser Taschenkunstformate eine besondere Aufmerksamkeit zu verdienen. Aber dann rollt die Promotionmaschinerie an, Fototermin, einscannen, einen Mehrinformationswert schaffen durch die Konzentration auf zwei wesentliche Aspekte, Ablichtung und Projektion und schließlich das große Rauskommen. Schaut man nun umgekehrt von den großen Drucken auf die kleine zarte Taschenkunst, dann wirkt sie jetzt keines Falls mehr fad, eher filligran, ein glücklich gefundenes Schätzchen. Und sie verweist auf die vielen anderen Miniaturen von Taschenkunst, die ich hier auch bald vorstellen möchte.

Sie, lieber Leser, wissen aber jetzt, dass es nie eine Situation geben muß in der Sie aus lauter Verzweiflung Kalenderblätter einrahmen, oder in Supermärkten Abklatschgrafikdrucke kaufen müssen. Sie können einfach eine Taschenkunst kaufen, sie kostet vom Hersteller immer 10 €, Sie können sie einscannen und mittlerweile einigermaßen unbesorgt in einem Industrie-Copyshop ausdrucken lassen. So tuen Sie gleich 2 Sachen auf einmal, Sie geben Ihrer Seele Nahrung und füttern nicht mehr die, die unsere Kultur, unsere Daten und unsere Seelen neoliberal verscherbeln.

Und Sie haben etwas für Ihr Geld bekommen, einen Gegenwert, ein Orginal.

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