Jo

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Es war ein seltsamer Tag, dieser Samstagnachmittag. Eine angenehme Kühle, Windstille, der Frühling war vorbei. Sie trug ihren Keigogi unter dem Arm, in der Hand den Jo und ich hatte das stabile Manfroto Stativ und den Kiev88 Kamerakoffer dabei. Wir gingen hurtig den geteerten Feldweg bis zur Hügelspitze und hier zog sie sich schnell um. Das war mitten in den Feldern der Zülpicher Börde im Eifelvorland für eine selbstbewußte Frau kein Problem, ein Wunder, wenn uns hier jemand begegnet wäre.
Print zweier Mittelformatstreifens
Jo, 2020, Plakatdruck mit Lackstiftbearbeitung von 2 Mittelformat Negativstreifen einer Projektionsserie und einer Jo-Kata auf dem Feld.




Ein Jo ist ein japanischer, runder, ca 140cm langer Wanderstock, der als Schlagwaffe eingesetzt werden kann. Er findet in einigen Kampfkünsten Verwendung, kommt aber ursprünglich aus den Jodo-Schulen.

Es ist die eingeübte Routine von Ein- und Ausatmung, die für Ruhe in kraftvollen Bewegungen sorgt, freilich mit ihrer natürlichen „Absturzkante“ für das allen Routinen widersprechende Unvorhersehbare, genau das suchten wir hier und wollten es üben. So etwas findet sich nicht im Dojo, aber ganz sicher im Feld und auf den Wiesen. Die Übung ist: Routine in der Nichtroutine zu bekommen, oder verständlicher ausgedrückt, Übung der Achtsamkeit in der Bewegung der Glieder, Muskeln und Gelenke. Hier eine Erhebung, dort eine Pfütze, ein Feldstein, einsackender Boden, Grasbüschel verhindern den auf der Matte „anerzogenen“ Automatismus und fördern eine besondere körperintensive Aufmerksamkeit.

An diesem Tag sollte sie die Jo-Kata alleine trainieren, denn ich wollte mit dem Agfa APX 25 Rollfilm hochaufgelöste Schwarz-Weiß-Bilder von ihr machen, dabei die Verschlusszeiten prüfen und die Leistungsfähigkeit des neuen Exakta f=80 Objektiv im Gegenlicht testen.




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