Ausstellungs­konzept Camgirls


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Camgirls ist eine Serie expressiver Porträts von Chat-Kontakten zu vornehmlich jungen Frauen, die zwischen 2008 bis etwa 2013 ihre exebitionistische Neigung mit den neuen Möglichkeiten der Webcam auslebten. Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad dieser Webtechnik strömten immer mehr Prostituierte auf die entsprechenden Portale und nutzten sie als Geschäftsmodell. Heute, 2016, finden sich kaum noch finanzinteressenlose Frauen aus Neugier und vielleicht auch einer Lust ihre Weiblichkeit zu leben auf diesen Portalen ein.

Camgirl-Board

Zwischen 2009 und 2014 entstanden viele Skizzen während der Chatkontakte, die zum Teil noch auf ihre Ausführung warten. Schon 2012 nahm die penetrante Art von Amateurprostituierten so zu, dass ich auf Transen auswich und auch männliche Darsteller interviewte. Die spätesten Skizzen entstanden 2014 und beinhalten nur noch interessante Bildideen von Profilbildern. Normale, nette und offene Chat-Gespräche waren kaum noch zu finden.

Ich möchte keine Werbung von den von mir genutzten Portalen machen, aber man findet sie leicht, wenn man über eine Suchmaschine z.B. Webcam-Chat eingibt.

Entstanden ist die Idee der Camgirls im Zuge der 1 € Kunstaktionen in Köln (ca 2005), als Spiegel der “Geiz ist Geil” Mentalität und den Billigläden, die einen regelrechten Boom erlebten. Es wurde kritisch betrachtet, dass die Billigkeit letzlich von den Produzenten bezahlt wird, Armut damit fixiert und Kinderarbeit durch die Hintertür salonfähig gemacht wird. Die kölner Künstler versuchten gute Kunst abzuliefern für 1€ – 10€.

Meine Idee der Umsetzung sollte das Internet selber werden. Ich versuchte mit dem schier unerschöpflichen Fluß von Medien des Netzes gute Kunst für unter 10€ zu machen. Es entstand der Lable-Name Webslam.

Die Camgirls haben mir viel Spass gemacht und ich werde jede, bis auf die letzte Skizze ausführen. Anfangs habe ich jedes Bild, auf Bögen ca 29×42 cm Rohkarton mit wasserbasierten Ölfarben und einer Tränkung in Epoxyd, auf Ebay für 1€ “riskiert”, denn mir schien es richtig das Werk aus dem Netz dem Netz auch wieder anbieten zu müssen. Es dauerte nicht lange bis sie Bekanntheit erlangten und reihenweise ersteigert wurden.

Die nächsten hundert Camgirls sind für eine Ausstellung vorgesehen, die sich mit dem Web 2.0 auseinandersetzen wird. Sie sollen sich gerahmt als wandfüllende Fläche darbieten, genauso, wie sie sich auch in den Chaträumen präsentiert haben.

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